3 Fragen an die Mitglieder der Gleichstellungskommission

Marianne Dubach

Porträt von Marianne Dubach

Wer ist Marianne Dubach?

Ich bin selbständige Unternehmerin und führe eine soziale Stellenvermittlung.

Menschen und ihre Chancen im Leben haben mich schon immer interessiert und berührt. Das zieht sich als roter Faden durch meine Berufsbiografie. Gleichzeitig waren bei meinen Tätigkeiten auch die Bereiche Wirtschaft, Soziales und Bildung immer miteinander verbunden. Ich habe einen Abschuss in Betriebswirtschaft für Non-Profit-Unternehmen. Aktuell engagiere ich mich in Bezug auf Gleichstellung und Chancengleichheit aktiv in den Vorständen des Männerbüros Region Basel und des Fachverbands Arbeitsintegration Nordwestschweiz und in Wirtschaftsverbänden.

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Die Chancengleichheit in der Arbeitswelt beschäftigt mich schon lang. Nicht nur diejenige der Geschlechter. Die Diskussion und Auseinandersetzung mit Lohn- und Care-Arbeit erscheint mir deshalb so zentral und matchentscheidend, weil unser gesamtes Wirtschafts- und Sozialsystem (noch) darauf aufgebaut ist. Ohne Lohnarbeit rasselt man nicht nur ganz schnell durch die Maschen unseres Systems, man hat auch schlechtere Karten im Alter oder kann sich nur schwer aus Abhängigkeitsverhältnissen oder-beziehungen lösen.

Klare Sichtbarkeit und Förderung der finanziellen Eigenständigkeit, effektive Lohngleichheit oder die Bekämpfung prekärer Arbeitsbedingungen sind Schwerpunkte, zu denen wir uns klare Ziele setzen sollten. Dazu gehören auch die Professionalisierung und Förderung unterschiedlicher Betreuungsmöglichkeiten für unsere Kinder oder die Akzeptanz individuell gelebter Familien- und Partnerschaftsformen.

Es gibt im Bereich Gleichstellung so viele Themen, die gleichzeitig angegangen werden müssten. Aktuell bereitet mir Sorge, dass wir bestehende Errungenschaften laufend weiter verteidigen müssen und diese nicht als selbstverständlich gelten. Die Corona-Pandemie und aktuelle Entwicklungen im Ausland zeigen auf, wie wenig es in unserer Gesellschaft braucht für massive Rückschritte in überwunden geglaubte Muster.

Nachhaltige Arbeitsintegration ist für impiega, wo du die Geschäftsleitung innehast, die höchste Priorität. Welche Rolle spielt die Gleichstellung der Geschlechter in deiner täglichen Arbeit? 

In meiner Arbeit bedeutet Nachhaltigkeit, immer auch bestmögliche Selbstbestimmung und Entscheidungsmöglichkeit für betroffene Personen auszuhandeln. Ich sehe mich deshalb oft in der Rolle als Fürsprecherin für Personengruppen oder Menschen, die keine Stimme haben oder deren Potential, Fähigkeiten oder vorhandene Ressourcen nicht erkannt werden. Ihnen Sichtbarkeit geben, Rechte für sie einzufordern, ihnen Wissen über Rahmenbedingungen oder Usanzen in der Arbeitswelt zu vermitteln und mit ihnen eine persönliche und tragfähige Berufs- und Lebensstrategie zu entwickeln, gehören zu unseren Aufgaben.

Wenn ich mir geschlechterspezifische Hürden anschaue, dann fallen mir spontan zwei Gruppen in unserem Pool auf. Es sind die alleinerziehenden Mütter und die gut ausgebildeten Migrantinnen. Für beide hat eine passende, der aktuellen Lebenssituation und den beruflichen Fähigkeiten entsprechende Stelle grossen Einfluss auf Integration und persönliche Entwicklung. Für diese Personengruppen zum Beispiel setze ich mich speziell ein.

Basel, im August 2022

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Nicole Amacher

Portrait von Nicole Amacher

Wer ist Nicole Amacher?

Empathisch, optimistisch, vernetzt denkend, offen für Neues und anderes, vielseitig interessiert - besonders an Menschen und ihren unterschiedlichsten Lebensformen - und sehe Vielfalt als Bereicherung.

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Da sind immer noch «Klassiker» wie Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern und die ungerechte Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit mit all ihren Folgekonsequenzen wie viel tieferen Renten im Alter bis hin zur Altersarmut. Da werde ich in meiner politischen Arbeit auf jeden Fall dranbleiben. Obwohl in diesen Themen noch viel zu tun ist, finde ich es richtig und wichtig, Gleichstellung umfassender zu realisieren und dafür auch die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, um den Lebensrealitäten aller gerecht(er) zu werden, wie dies zum Beispiel zurzeit in Basel mit der Erweiterung des Gleichstellungsgesetzes passiert.

Als Co-Geschäftsleiterin der Surprise NGO arbeitest du mit armutsbetroffenen Personen. Gibt es Problemstellungen mit einem direkten Zusammenhang von Geschlecht und Armut?

Armut kennt viele Gründe: Geschlecht, soziale Stellung und Herkunft sowie Gesundheit spielen dabei eine zentrale Rolle. Kumulieren sich mehrere armutsgefährdende Faktoren, ist es sehr schwierig, den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten – für alle Geschlechter. Alleinstehende Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern sind besonders armutsgefährdet – dies erfahren wir auch bei Surprise. Sie arbeiten oft, wenn das überhaupt möglich ist, in Tieflohnbranchen, etwa in der Reinigung oder in der Care-Arbeit. Auch alleinstehende, geschiedene Frauen, die oft über längere Zeit unbezahlte Betreuungsarbeit leisten, verzeichnen sehr geringe Einnahmen. Dies rächt sich im Alter in Form sehr tiefer Renten – von Altersarmut sind Frauen überproportional betroffen. Bei Surprise spüren wir, dass zunehmend Frauen mit prekären Lebensrealitäten den Weg zu uns finden.

Basel, im August 2022

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Nils Jocher

Porträt von Nils Jocher

Wer ist Nils Jocher?

In erster Linie ein Mensch, dem viel am Wohlbefinden aller Menschen liegt. Deswegen engagiere ich mich für verschiedene Gerechtigkeitsthemen, arbeite für eine politische Partei, besetze Ämter und versuche meine privilegierte Stimme so zu nutzen, dass viele profitieren.

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Aktuell gerade, dass ich das Gefühl habe, dass die feministische Bewegung nach einigen eher erfolgreichen Jahren mit stärkerem Gegenwind zu kämpfen hat. Alle zwei Wochen wird eine Frau in der Schweiz durch einen Mann getötet und die Kommentarspalte jammert in hoher Kadenz über Sprache, die die Realität benennt und die Unterdrückung der Männer. Diese Diskussionen sind ermüdend und machen wütend.

Du warst Gründungspräsident der ‘Feministen’ und bist Mitglied der GSK. Weshalb ist es wichtig, dass gerade auch junge cis-Männer sich in der Gleichstellung engagieren?

Eine gerechte und inklusive Gesellschaft - und das ist die Prämisse - Bedarf das Engagement aller. Da haben auch junge cis-Männer, von denen es ja ganz viele gibt, eine Rolle zu spielen. Im Bereich Gleichstellung bedeutet das, viel Privilegien checken, Rücken stärken, Plattformen bieten und viel zu präsenten Vorstellungen von toxischer Männlichkeit entschieden entgegentreten.

Basel, im Juli 2022

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Daniel Hunziker

Porträt von Daniel Hunziker

Wer ist Daniel Hunziker?

Vielseitig interessiert, grösstenteils optimistisch, weltoffen, analytisch, systematisch, verbindend, empathisch und ganz wichtig: holistisch! Jede Sache und jedes System ist für mich immer mehr als nur die Summe seiner Einzelteile. Zusammenhänge wahrnehmen, erforschen und nutzenstiftend einsetzen, prägen meine Denk- und Arbeitsweise. 

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Ich mag den intellektuellen Austausch mit interessanten Menschen, die mich weiterbringen, insbesondere über Themen wie Diversität und gelingendes Mann-Sein. Diese beiden Themen waren für mich schon immer zentral und mit meiner Ausbildung beim Schweizerischen Institut für Männer und Geschlechterfragen (SIMG, heute männer.ch) konnte ich sie für mich systematisch erschliessen. Der Themenkreis scheint mir gerade in der heutigen Zeit, wo schlussendlich toxische Männlichkeit wieder einen Krieg in Europa ausgelöst hat, ein Spannungsfeld, dass es dringend weiter zu ergründen und positiv zu verändern gilt. Die Salonfähigkeit von autoritären, nicht-inklusiven Haltungen sind für mich zudem ein klares Indiz, dass gesellschaftliche Errungenschaften nie als gesichert betrachtet werden können und deshalb kontinuierlich geschützt und weiter ausgebaut werden müssen. Daran möchte ich mitarbeiten.

Du bist Spezialist für mensch-zentrierte Lösungs-, Organisations- und Geschäftsentwicklung und unterrichtest auch in diesem Bereich. Wie kann Gleichstellungsarbeit aus deiner Sicht noch besser vermittelt werden?

Durch meine Arbeit in einer Agentur für digitale Lösungen (yoo.digital) bin ich jeden Tag mit neuen Herausforderungen und komplexen Problemstellungen konfrontiert. Durch die Anwendung von kreativen Lösungsfindungsmethoden, lerne ich ständig dazu und bleibe dadurch fit. Erkenntnisse fliessen kontinuierlich in meine zweite Tätigkeit als Berufsschullehrer ein (Schule für Gestaltung) und somit sind auch meine Lernenden und Studierenden ständig gefordert und, so glaube ich, dadurch auch gefördert. Diversität ist in einer zunehmend digitalisierten Welt schon fast ein Naturgesetz. Und in (m)einer idealen Welt ist die Anerkennung von Diversität die Grundlage für inklusive Gemeinschaften. Dies betrifft jede Form von Gemeinschaften, private, berufliche und eben auch staatliche. Und durch die wohlwollende Wertschätzung von Vielfältigkeit und entsprechend gelebter Gleichberechtigung, können insgesamt bessere Lösungen für unsere (teils existenziellsten) Probleme gefunden werden. Diese Haltung vermittle ich auch, wenn immer möglich, meinen Kunden und meinen Lernenden/ Studierenden.

Basel, im April 2022

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Franziska Schutzbach

Porträt von Franziska Schutzbach

Wer ist Franziska Schutzbach?

Geschlechterforscherin, Autorin, Dozentin, Mitglied der Gleichstellungskommission Basel-Stadt. Ihr letztes Buch «Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit» ist seit vielen Monaten ein Bestseller.

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Mich bewegen im Moment die verschiedenen Backlash-Tendenzen. Einerseits gibt es gleichstellungspolitische Teilerfolge und Sichtbarkeit für wichtige Themen. Andererseits ruft das auch Gegner*innen auf den Plan, es drohen Rückschritte, etwa in Bezug auf das Thema Abtreibung. In den USA besteht gerade die Gefahr, dass das Recht auf Schwangerschaftsabbruch aufgehoben wird. Auch in der Schweiz versuchen Abtreibungsgegner*innen mit zwei Initiativen, das Recht auf Abtreibung restriktiver zu machen. Wir müssen die Netzwerke, die global organisiert sind und sich gegen progressiven Wandel stellen, auch in der Schweiz besser erforschen und dürfen ihre Wirkungsweisen nicht unterschätzen. Es gibt konservative Netzwerke und neu auch Think Tanks in der Schweiz mit viel Geld, die das Ziel haben, Gleichstellung, LGBTI-Rechte und progressive Sozialpolitik insgesamt zu verhindern. Dagegen sind feministische Organisationen, Frauenprojekte, LGBTI-Projekte und auch die staatliche Gleichstellung viel zu schlecht ausgestattet. Wenn es gleichstellungspolitisch nicht nur schneller voran gehen soll, sondern auch Rückschritte verhindert werden sollen, muss sich das ändern.

Du bist eine international erfolgreiche Autorin. Weshalb findest du es wichtig, dich auch für lokale Gleichstellungsarbeit einzusetzen?

Es steigert meine Lebensqualität, wenn ich lokale Debatten und Politik ein Stück weit mitgestalte. Auch wenn es durch meine Reistätigkeiten schwierig ist, konstant lokal engagiert zu sein. Ich sehe in der Schweiz eine grosse Chance, gleichstellungspolitische Fortschritte im Lokalen, besonders in den Städten zu erzielen und damit Massstäbe zu setzen. Gerade in der Schweiz fehlt es meist an nationalen gleichstellungspolitischen Stossrichtungen, deshalb sind wir ein Stück weit gezwungen, die Fortschritte erst einmal lokal zu erreichen.

Basel, im Mai 2022

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Gesine Fuchs

Porträt von Gesine Fuchs

Wer ist Gesine Fuchs?

Ich bin eine eingewanderte Norddeutsche mit ausgeprägtem Kleinbasler Patriotismus. Ich bin direkt und nicht so für’s Rumschweizern zu haben, also dafür, Kontroversen rhetorisch in Watte zu packen. Als Politikwissenschaftlerin will ich Dingen auf den Grund gehen, sie verstehen und erklären können – und gleichzeitig etwas für Änderungen in der Gegenwart tun.

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Beim Thema verbinden sich verschiedene soziale Ungleichheitsverhältnisse: Geschlecht, Herkunft, soziale Stellung. Das wird uns noch stärker beschäftigen.

Ich befürchte, wir haben bis zur Pandemie eine Schönwetter-Gleichstellung gelebt. Es schien alles peu-à-peu voranzugehen. Gut ausgebildete Frauen dürfen und können interessante Jobs machen, dank komplexer Arrangements und Absprachen: aktivere Väter, Mütter in Teilzeit, unbezahlbare Grosseltern und eine bessere Versorgung mit teuren Kita-Plätzen. So ein Anderthalb-Verdiener-Modell ist aber auch keine Gleichstellung. Dieses prekäre Gleichgewicht ist in den Lockdowns zusammengekracht, Mütter haben viel mehr Sorgearbeit übernommen. Ich glaube allerdings nicht, dass die alten Rollenbilder wieder zurückkommen – nur noch 10% der erwerbstätigen Bevölkerung in der Schweiz favorisiert das Modell des männlichen Alleinernährers.

Wir brauchen Gleichstellung für alle und nicht nur ab Mittelschicht aufwärts. Alle Familien sollen sich eine gute Kita für ihre Kinder leisten können. Und die Mitarbeiterinnen in den Kitas sollen von ihrer Arbeit gut leben können und nicht einen netten Zuverdienst erwirtschaften (siehe oben: Anderthalb-Verdiener-Modell).

Und wenn ich heute in 20 Minuten lese, dass junge Frauen in Asylzentren nur ungenügend gegen sexuelle Übergriffe geschützt sind, weil zu wenig ausgebildetes Personal da ist und die Räumlichkeiten unzulänglich sind, dann kommen Rassismus und Sexismus zusammen: Schutz und gute Bedingungen sind ja nicht so wichtig, als dass man genügend Ressourcen bereitstellt. Es muss dabei nicht immer eine bewusste Diskriminierung dahinterstecken, denn auch implizite Annahmen und Routinen führen zu diskriminierenden Ergebnissen.

Wie ergänzen und beeinflussen sich deine Tätigkeiten als Dozentin an der Hochschule Luzern und als Vizepräsidentin der Gleichstellungskommission?

Das Geschlechterverhältnis in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen beschäftigt mich mein ganzes wissenschaftliches Leben lang, und so bin ich auch zur Gleichstellungskomission gekommen. Konkret macht unser Team an der Hochschule Luzern viele angewandte Forschungsprojekte und Expertisen im Gleichstellungsbereich. Die Zahl oben zum männlichen Alleinernähremodell stammt z. B. aus dem «Nationalen Barometer Gleichstellung 2021», das wir für die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten erarbeitet haben. Die intellektuellen Knacknüsse kommen hingegen gerade aus der Arbeit in der GSK: Wie formulieren wir das kantonale Gleichstellungsgesetz so, dass Diskriminierung aller Menschen aufgrund ihres Geschlechts verboten wird, ohne dabei die Kernfrage der Ungleichheit zwischen Frauen und Männern herunterzuspielen?

Basel, im Februar 2022

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Tatiana Vieira

Porträt von Tatiana Vieira

Wer ist Tatiana Vieira?

Ich bin eine Person Zwischen Zwei Heimaten - Brasilien und der Schweiz, die den Austausch mit anderen Menschen schätzt und immer positiv überrascht ist, was Menschen gemeinsam bewegen/verändern können. 

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Ich denke immer ganzheitlich, wenn ich über Gleichstellung nachdenke. Alle Menschen verdienen es, als gleichwertige Individuen behandelt zu werden.

Deine Arbeit als Geschäftsführerin der Stiftung Brasilea und ehemalige Co-Leiterin beim Radio X besitzen eine gewisse Reichweite.  Wie kann deiner Meinung nach Gleichstellungsfragen mehr Gehör verschafft werden?

Ich habe den Eindruck, Gleichstellungsfragen und überhaupt das Thema Gleichstellung werden missverstanden, als würde es hier nur um bestimmte Gruppen gehen. Es sollte ein Thema sein, wofür sich alle Menschen interessieren, denn die Gleichstellung hat langfristig positive Konsequenzen für die ganze Gesellschaft. Um dafür mehr Gehör zu verschaffen, braucht es einen persönlichen Bezug. Wenn die fehlende Gleichstellung eine Person selbst und ihre nahestehenden Personen konkret betroffen macht, wird sie greifbar.

Basel, im Februar 2022

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Étienne Rembold

Porträt von Étienne Rembold

Wer ist Étienne Rembold?

Entsprechen wir dem Bild, das wir von uns selbst haben oder dem Bild, welches sich andere von uns machen? Ich freue mich, wenn ich als konstruktive Bereicherung für die Gleichstellungsarbeit in Basel-Stadt gesehen werde. Dafür stelle ich gerne mein Fachwissen und meine Fähigkeiten zur Verfügung. Meine «Türe» steht allen offen, die sich mit mir über Gleichstellungsthemen austauschen möchten, denn Gleichstellung sollte für alle da sein – davon bin ich überzeugt.

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Manche Menschen identifizieren sich als Männer, manche als Frauen, manche verorten sich nicht in diesen binären Kategorien. Manchen von ihnen wurde bei der Geburt aufgrund ihrer Genitalien ein Geschlecht zugewiesen, dem sie sich tatsächlich zugehörig fühlen, manchen nicht. Unabhängig davon können Menschen alle möglichen sexuellen/romantischen Orientierungen haben.
Ich möchte mich für eine Gleichstellungspolitik und Gleichstellungsarbeit einsetzen, die dieser gesellschaftlichen Realität gerecht wird.

Wo siehst du im Kanton Basel-Stadt noch Handlungsbedarf im Bereich LGBTI?

Den grundlegenden Handlungsbedarf sehe ich darin, Menschen mit nicht-heterosexueller/romantischer Orientierung und nicht-cis/binär-geschlechtlicher Identität nicht als abgeschottete Sammelkategorie auf ein Akronym zu reduzieren, sondern diese gleichwertig im Rahmen der Intersektionalität einzubeziehen.
Massnahmen und Entscheidungen, die pauschal zwischen «Männern» und «Frauen» differenzieren, gehen oftmals von Cis-Heteronormativität aus und werden damit der sexuellen/romantischen und geschlechtlichen Vielfalt nicht gerecht.

Basel, im Dezember 2021

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Anna-Katharina Schmid 

Porträt von Anna-Katharina Schmid

Wer ist Anna-Katharina Schmid?

Während des grössten Teils meiner beruflichen Tätigkeit habe ich an Gymnasien gearbeitet, unterbrochen von einigen Jahren als Personal- und Organisationsentwicklerin, die letzten 15 Jahre als Rektorin des Gymnasiums Bäumlihof. Studiert habe ich Geschichte, Germanistik und Sport. Ich bin 63 Jahre alt, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Seit einem halben Jahr bin ich zudem Grossmutter.

Thema Gleichstellung: Was bewegt dich?

Nach wie vor bewegt mich am stärksten, wie junge Familien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter einen Hut bekommen können, sodass beide Elternteile gleichermassen teilhaben können an der Erziehung der Kinder und gleichzeitig ihre beruflichen Ambitionen verfolgen können. Dafür sind ausgebaute Betreuungsstrukturen nötig, aber auch die Möglichkeit für beide Geschlechter, auch in anspruchsvollen Tätigkeiten z.B. 80% arbeiten zu können.

Du warst Rektorin eines Gymnasiums. Was findest du auf dieser Stufe wichtig bezüglich Gleichstellung?

Zunächst war ich als erste Gymnasialrektorin im Kanton sicher ein Role Model. Es war und ist mir wichtig vorzuleben und auch Männer und Frauen zu ermutigen, sich sowohl im Beruf wie in der Familie zu engagieren. Mir war wichtig, mit den Lehrpersonen zu besprechen, in welcher Lebensphase sie gerade steckten. Sowohl für Männer wie Frauen ist es meist sinnvoll, in der Lebensphase mit ganz kleinen Kindern den Beschäftigungsgrad und das Engagement in Projektgruppen während ein paar Jahren etwas zu reduzieren, aber nur so, dass der Beruf weiterhin ein wichtiger Teil der Identität bleibt. Zudem ist es als Chefin wichtig, Talente zu erkennen und insbesondere Frauen zu ermutigen, Projektleitungen oder andere verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Bezogen auf die gesamte Institution ist es wichtig, dass ein offenes, Diversität förderndes Klima in allen Bereichen gefördert wird.

Basel, im Dezember 2021

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