Schule macht Geschlecht

Die Schule hat einen grossen Einfluss darauf, welche Vorstellungen sich Kinder darüber machen, was eigentlich eine Frau oder einen Mann ausmacht. Diese Rollenbilder führen dazu, dass die Interessen der Kinder mehrheitlich dem entsprechen, was ihrem Geschlecht zugeordnet wird. Eigentlich neutrale Unterrichtsfächer bekommen dadurch einen weiblichen oder männlichen Charakter: Während Naturwissenschaften oder Computer Sache der Jungs sind, gelten sprachliche Fächer als Mädchenfächer. Schreibt also ein Mädchen der Mathematik männliche Eigenschaften zu, hat dies direkten Einfluss auf ihr Interesse und ihr Selbstvertrauen in diesem Fach.

Die Vermittlung dieser Rollenbilder und Geschlechterstereotypen findet meist unbewusst statt. Dieser sogenannte «heimliche Lehrplan» strukturiert den Schulalltag. Zahlreiche Verhaltensmuster, die nicht im offiziellen Lehrplan benannt sind, werden dort eingeübt: Sich anpassen und beherrschen, kooperieren, fleissig und pünktlich sein, ruhig sitzen und warten, sich anständig aufführen, nett sein usw. Je nach Geschlecht werden unterschiedliche Verhaltenserwartungen vermittelt. Es ist deshalb eine hohe Anforderung an Lehrpersonen, diese verdeckten Lerninhalte zu erkennen und zu verändern. Gelingt es Lehrpersonen, den Unterricht geschlechtersensibel zu gestalten, kann bei Mädchen und Jungs eher das Interesse an Themen, Fächern und Berufen unabhängig dieser Geschlechterstereotypen geweckt werden.

Das Thema «Gleichstellung und Geschlecht» ist im Lehrplan 21 als Querschnittsthema verankert. Mit ausgewählten Angeboten und Projekten, unterstützen wir die Verwirklichung eines gender-sensiblen Unterrichts.

«Wir setzten beispielsweise voraus, dass Jungen einen grösseren Bewegungsdrang haben. Wenn wir mit der Gruppe nach draussen gingen, haben wir deshalb zuerst den Jungen beim An-ziehen geholfen. So lernten die Mädchen zu warten. Dagegen haben wir Mädchen länger getröstet, wenn sie hingefallen sind – fast zu lange. Und wir haben sie öfter ermahnt, still zu sitzen. Wir haben unbewusst Geschlechterrollen verstärkt.»
(Zitat einer Kindergärtnerin)